Blutwurz (Potentilla tormentilla)
Die Blutwurz, botanisch Potentilla tormentilla, ist eine bewährte Heilpflanze der Antiken Apotheke. Sie gehört zu den ausdauernden Kräutern und bildet einen knollenartigen Wurzelstock aus, der außen dunkelbraun und innen weißlich ist. An der Luft verfärbt sich das Innere bald rötlich – ein Erkennungszeichen dieser besonderen Pflanze.
In der traditionellen Heilkunde wird ausschließlich der Wurzelstock verwendet, der besonders reich an Gerbstoffen ist. Diese Inhaltsstoffe machen die Blutwurz zu einem vielseitigen Naturheilmittel bei inneren und äußeren Beschwerden.
Ernte und Trocknung des Wurzelstocks
Für die Anwendung in der Antiken Apotheke wird die Blutwurz im Frühling oder Spätherbst geerntet. Nach dem Säubern werden die Wurzelstöcke auf einem luftigen Dachboden vorgetrocknet und anschließend bei mäßiger Temperatur am Ofen vollständig getrocknet. Um die Wirksamkeit zu erhalten, ist es ratsam, die getrockneten Wurzeln zu Pulver zu vermahlen und regelmäßig – am besten im Herbst und Frühjahr – frische Vorräte anzulegen, da die Gerbstoffe schnell abnehmen.
Anwendungsformen von Blutwurz
In der Antiken Apotheke wird Blutwurz in verschiedenen Zubereitungen verwendet: als Tee, Tinktur, Auszug oder Salbe. Jede Form hat spezifische Anwendungsgebiete.
Blutwurz-Tee
Zubereitung:
1 Teelöffel getrocknete oder pulverisierte Wurzel mit 1/4 Liter heißem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen und ungesüßt trinken. Alternativ kann das Pulver über Nacht in kaltem Wasser eingeweicht, am Morgen kurz aufgekocht, sofort gefiltert und über den Tag verteilt getrunken werden.
Wirkung:
Der Tee wirkt stark adstringierend und entzündungshemmend. Er wird erfolgreich eingesetzt bei:
- Chronischen und infektiösen Darmerkrankungen
- Durchfall und Dickdarmentzündungen
- Katarrhen
- Leberschwellung und Hepatitis
- Darmtuberkulose
- Erkrankungen mit abwechselndem Durchfall und Verstopfung
Blutwurz-Tinktur
Zubereitung:
1 Teil zerkleinerte Blutwurz wird mit 10 Teilen Branntwein übergossen. Nach 4–6 Wochen Ziehzeit und täglichem Schütteln wird die Flüssigkeit gefiltert und in Flaschen abgefüllt.
Dosierung:
Täglich 10–12 Tropfen je nach Bedarf.
Blutwurz-Auszug
Zubereitung:
Das Pulver wird 15–30 Tage in Branntwein eingelegt, anschließend gefiltert und abgefüllt.
Dosierung:
Nur 5–10 Tropfen täglich reichen aus.
Blutwurz-Salbe
Zubereitung:
Frische Wurzeln werden geputzt, zerkleinert und in Schweinefett oder Rindertalg gekocht. Das heiße Fett wird durch ein Tuch gepresst, in ein Gefäß abgefüllt und luftdicht verschlossen.
Anwendung:
Diese Salbe zeigt hervorragende Wirkung bei:
- Geschwüren, Ekzemen, Hautausschlägen
- Aufgesprungenen Lippen und Händen
- Erfrierungen
- Quetschungen
- Wucherungen
Blutwurz in Kombination mit anderen Heilpflanzen
In der Antiken Apotheke ist Blutwurz auch Bestandteil wirksamer Mischungen:
Gegen chronische Darmkrankheiten
Eine Mischung aus Blutwurz, Mistel und Ackerschachtelhalm (je 1 TL) wird wie folgt zubereitet:
- 1 TL Blutwurz in 1 Liter Wasser kurz aufkochen
- Damit Mistel und Ackerschachtelhalm überbrühen
Diese Kombination wirkt stark entzündungshemmend und reguliert die Darmflora.
Blutwurz-Klistier bei Darmblutungen
Ein Klistier aus Blutwurz, Eichenrinde und Kamille (Verhältnis 1:1:1) hilft bei Darmblutungen:
- 3 TL der Mischung in 1 Liter Wasser aufkochen
- Nach 5 Minuten abgießen und als lauwarmes Klistier verwenden
Blutwurz zur Schlaganfallprophylaxe
Menschen mit erhöhtem Schlaganfallrisiko wird empfohlen, zweimal jährlich im Frühling und Herbst eine 14-tägige Kur mit Blutwurzpulver durchzuführen:
- 2x täglich 1/2 TL Blutwurzpulver in 0,1 Liter Wein einnehmen
Diese traditionelle Anwendung stabilisiert die Gefäße und stärkt die Abwehrkräfte.Die Blutwurz ist ein bewährtes Heilmittel der Antiken Apotheke mit vielseitigen inneren und äußeren Anwendungsgebieten. Ihre hohe Wirksamkeit bei Darmleiden, Hautproblemen und entzündlichen Erkrankungen macht sie zu einer wertvollen Pflanze der traditionellen Naturmedizin.
Hinweis zur Anwendung der Rezepturen:
Hinweis zur Anwendung der Rezepturen:
- Die vorliegenden Rezepturen basieren auf historischen Quellen, insbesondere auf klösterlichen Aufzeichnungen, und wurden mit aktuellem phytotherapeutischem Fachwissen sowie modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen harmonisiert.
- Phytonzide – von Pflanzen gebildete bioaktive Substanzen mit antimikrobiellen Eigenschaften – spielen eine zentrale Rolle im Immunsystem und in der Abwehr pathogener Mikroorganismen, einschließlich Viren, resistenter Bakterien und Pilze. Ihre therapeutische Wirkung setzt eine exakte Zubereitung und Anwendung gemäß Anleitung voraus. Nur dann ist die Wirksamkeit der enthaltenen Phytonzide im Präparat gewährleistet.
- Da Heilpflanzen pharmakologisch aktive Inhaltsstoffe enthalten, können unerwünschte Wirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Heilpflanzen oder Medikamenten sowie Kontraindikationen bei bestimmten Erkrankungen auftreten. Bitte prüfen Sie vor der Anwendung alle sicherheitsrelevanten Aspekte sorgfältig. Es wird dringend empfohlen, vor der Anwendung ärztlichen Rat oder den einer qualifizierten medizinischen Fachperson einzuholen, insbesondere bei bestehenden gesundheitlichen Problemen oder laufender Medikation.
- Bitte informieren Sie Ihren behandelnden Arzt über die Anwendung pflanzlicher Präparate, um Risiken zu minimieren und eine integrative Therapieplanung zu ermöglichen.
Sicherheitsaspekte bei der Anwendung
Sicherheitsaspekte bei der Anwendung von Blutwurz (Potentilla tormentilla)
1. Wechselwirkungen
Blutwurz enthält vor allem Gerbstoffe (bis zu 20 % Tannine), die bei innerlicher Anwendung eine stark adstringierende Wirkung auf Schleimhäute entfalten. Diese Gerbstoffe können die Aufnahme von Wirkstoffen im Magen-Darm-Trakt beeinträchtigen. Daher sollte Blutwurz nicht gleichzeitig mit Medikamenten eingenommen werden, deren Resorption empfindlich ist – z. B.:
- Eisenpräparate (verminderte Resorption durch Bindung an Tannine)
- Alkaloidhaltige Medikamente (verringerte Wirksamkeit möglich)
- Herzglykoside (z. B. Digoxin – mögliche Beeinträchtigung der Bioverfügbarkeit)
Ein Abstand von mindestens 1–2 Stunden zwischen der Einnahme von Blutwurz und anderen Medikamenten wird empfohlen.
2. Kontraindikationen
Die Anwendung von Blutwurz ist kontraindiziert bei:
- Allergie gegen Rosengewächse (z. B. Erdbeeren, Hagebutten, Mädesüß)
- Akuten entzündlichen Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt (z. B. Magengeschwüre, Morbus Crohn)
- Schweren Lebererkrankungen oder Gallenblasenproblemen – v. a. bei längerer Einnahme
- Chronischer Obstipation (Verstopfung), da die adstringierende Wirkung diese verstärken kann
3. Nebenwirkungen
Blutwurz gilt allgemein als gut verträglich, dennoch können bei empfindlichen Personen folgende Nebenwirkungen auftreten:
- Gastrointestinal: Übelkeit, Bauchschmerzen, Völlegefühl oder Erbrechen bei hoher Dosierung
- Haut: Kontaktallergien bei äußerlicher Anwendung (z. B. Salben, Umschläge)
- Langzeitanwendung: Reizung der Schleimhäute im Verdauungstrakt möglich bei dauerhafter Einnahme hoher Dosen
Bei Auftreten allergischer Reaktionen (z. B. Hautausschlag, Atembeschwerden) sollte die Anwendung sofort abgebrochen und ein Arzt konsultiert werden.
4. Vorsichtsmaßnahmen
Für eine sichere Anwendung von Blutwurz sind folgende Punkte zu beachten:
- Dosierung beachten: Die empfohlene Tagesdosis (z. B. 4–6 g Droge als Tee) nicht überschreiten. Eine Überdosierung kann zu Reizungen des Verdauungstrakts führen.
- Anwendungsdauer: Innerlich nicht länger als 2–3 Wochen ohne ärztlichen Rat anwenden. Bei fehlender Besserung sollte ein Arzt aufgesucht werden.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Keine ausreichenden Daten vorhanden. Die Anwendung wird ohne ärztliche Rücksprache nicht empfohlen.
- Kinder unter 12 Jahren: Vorsicht bei innerlicher Einnahme – nur nach Rücksprache mit einem Kinderarzt.
- Äußerliche Anwendung: Vor der ersten Anwendung auf der Haut empfiehlt sich ein Verträglichkeitstest an einer kleinen Stelle.
Forschungen
Forschung zur Wirkung und Anwendung von Blutwurz (Potentilla tormentilla)
Folgende Studien und Reviews beleuchten phytochemische Zusammensetzung, Wirkmechanismen und Sicherheitsaspekte der Blutwurz:
Melzig & Böttger (2020): „Tormentillae rhizoma – Review for an Underestimated European Herbal Drug“
Umfassender Review zu Inhaltsstoffen (Ellagitannine), In-vitro- und In-vivo-Wirkungen.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32155655/ (DOI: 10.1055/a-1129-7214)
Phytochemische Zusammensetzung (Thieme-Review, 2020)
Analyse von ≥55 Inhaltsstoffen, u. a. 15–20 % kondensierte Tannine wie Procyanidine, Catechine und Ellagsäure
Download als PDF
Shushunov et al. (2009): „Determination of acute toxicity…“
In-vivo-Toxizitätsstudie bei Ratten/Mäusen (bis zu 6,8 g/kg i.g.): keine akuten Schäden
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19857087/
Formulierungsstudie (2024): Topisches Gel mit P. tormentilla-Extrakt
In-vivo Tiermodell (Ratten): keine Hautirritationen, deutliche anti‑entzündliche Wirkung nach Carrageenan-Induktion
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39273336/
Diese Quellen bieten einen fundierten Einblick in die Phytochemie, Wirkmechanismen und Sicherheit der Blutwurz und untermauern ihre traditionelle Anwendung bei Durchfall, Schleimhautentzündungen und Hautreizungen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Blutwurz (Potentilla erecta) und wofür wird sie verwendet?
Blutwurz ist eine Heilpflanze aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Medizinisch genutzt wird der getrocknete Wurzelstock (Tormentillwurzelstock). Traditionell wird Blutwurz innerlich bei unspezifischen, leichten Durchfallerkrankungen sowie äußerlich bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und bei leichten Hautentzündungen angewendet. Die Wirkung beruht vor allem auf dem hohen Gehalt an Gerbstoffen.
Welche Inhaltsstoffe sind in Blutwurz enthalten?
Blutwurz enthält bis zu etwa 15–20 % Gerbstoffe, insbesondere Ellagitannine (z. B. Agrimoniin), daneben Procyanidine, Catechine, Flavonoide und Triterpene. Diese Inhaltsstoffe wirken adstringierend (zusammenziehend), entzündungshemmend und in experimentellen Untersuchungen leicht antimikrobiell.
Wie wird Blutwurz medizinisch angewendet?
Blutwurz wird innerlich als Teeaufguss, Tinktur oder standardisierter Extrakt bei akutem, unspezifischem Durchfall eingesetzt. Äußerlich wird sie als Gurgellösung oder Spülung bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie als Umschlag oder Badezusatz bei leichten Hautreizungen verwendet.
Gibt es wissenschaftliche Belege für die Wirkung von Blutwurz?
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) sowie ESCOP erkennen die traditionelle Anwendung von Blutwurz bei leichten Durchfallerkrankungen und Schleimhautentzündungen an. Präklinische Studien zeigen antioxidative und antimikrobielle Effekte. Hochwertige, große klinische Studien sind jedoch begrenzt.
Welche Nebenwirkungen oder Risiken bestehen bei der Anwendung?
Blutwurz gilt bei sachgemäßer Dosierung als gut verträglich. In seltenen Fällen können Magenreizungen oder Übelkeit auftreten. Aufgrund der stark adstringierenden Gerbstoffe kann die Aufnahme anderer Medikamente im Darm vermindert werden; ein Einnahmeabstand von etwa 1–2 Stunden wird empfohlen.
Darf Blutwurz in der Schwangerschaft oder bei Kindern verwendet werden?
Für Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder unter 12 Jahren liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Eine Anwendung sollte daher nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Ist Blutwurz in der EU als pflanzliches Arzneimittel registriert?
Ja, Blutwurz (Potentillae erectae rhizoma) ist in der EU als traditionelles pflanzliches Arzneimittel registriert. Die EMA führt eine entsprechende Monografie mit definierten traditionellen Anwendungsgebieten.
















